TKKG: 2. Der blinde Hellseher

3 Feb

Pizza für 3 Mark!

Auch diese Folge war mal wieder sehr gehaltvoll was diskriminierende Scheiße angeht.  Vor allem ist die Story dieses Mal ganz schön wahllos vertrackt und im Prinzip führen sich TKKG hier selbst in ihrer vorschnellen Verurteilung  vor, was natürlich unerwähnt bleibt, TKKG sind schließlich unfehlbar.

In dieser Folge geht’s um den vermeintlich entführten Sohn einer reichen Familie namens Volker Krause. Volker, ein Freund und Klassenkamerad von TKKG, verschwindet plötzlich und die Eltern erhalten Briefe mit Lösegeld-Forderungen. Die Geschichte verläuft so, dass TKKG erstmal den Besitzer einer Pizzeria verdächtigen, da „dieser Italiener ist und somit ja sehr wahrscheinlich der Mafia angehört“. Ist dann aber doch nicht so, dann werden’s wohl der pseudo-blinde Spiritist und Hellseher Raimundo und sein Medium Armanda sein, einfach, weil die ganz schön komisch sind. Kurz wird noch ein Mitschüler verdächtigt, der Gabi von hinten während des Unterrichts mit einer Nadel in den Po gepiekt hat. Am Ende stellt sich heraus, dass TKKG drei mal falsch gelegen haben und Volker seine Entführung gefaked hat, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Dass TKKG hier ganz schön versagen wird nicht einmal erwähnt, am Ende sind sie doch die goßen HeldInnen und RetterInnen von Volker, da sie dabei sind, als Volker wieder auftaucht.

Feindbild Nr.1: Italiener: Italiener (oder Deutsche italienischer Herkunft?) sind eine der Lieblings-Kriminellen bei TKKG, was sich noch in vielen Folgen zeigen wird. Natürlich kann man sich auch hier auf das Klischee verlassen, dass Italiener in Deutschland stets Pizzerien oder Eisdielen besitzen, bzw. sich dort aufhalten. In dieser Folge, zeigt sich der Rassismus TKKGs in seiner vollen Entfaltung. Kommissar Glockner befragt TKKG, ob sie eine Idee hätten, wer Volker gekidnapt haben könnte. Tarzan grübelt daraufhin und nennt zunächst erstmal den ersten „komischen“ Menschen aus Volkers Leben, der ihm einfällt: der Hellseher Raimundo, der bei Volker zu Hause verkehrt, da dessen Mutter auf dem Eso-Trip ist. Völlig aus dem Nichts heraus platzt es dann aber aus Tarzan heraus:

Tarzan: „Die Mafia könnte dahinter stecken!“

Kommissar: „Wie bitte?“

Tarzan: „Ja, Mario Frascetti, ihm gehört das italienische Restaurant in der Seedammstraße, die Trattoria. Wir sind manchmal dort, weil’s die Pizza schon für 3 Mark gibt. Volker auch. Er hat dort Wein getrunken. (…) Und wir haben gemerkt, dass Mario Frascetti finanzielle Schwierigkeiten hat. Ein anderer Italiener war ziemlich pampig zu ihm. Und da hab‘ ich gehört, wie Mario zu ihm gesagt hat: ‚das Geld beschaff‘ ich(…)‘.“

Also nochmal zum Mitschreiben: Tarzan überlegt, wer verdächtig sein könnte. Eigentlich hat er überhaupt keinen Plan und nennt einfach mal einen Ort, von dem er weiß, wo Volker sich schonmal aufgehalten hat. Aus irgendeinem Grund vermutet Tarzan, dass dieser Mario wisse, dass Volker reiche Eltern habe. Und ein Italiener, der pampig über Geld redet, der gehört natürlich der Mafia an, logisch. Auch interessant, dass wenn man überhaupt keine Anhaltspunkte und Beweise hat der Italiener dann doch noch mal aus im Prinzip verdächtiger ist als Raimundo(der eigentlich Otto Biersack heißt). TKKG halten Mario daraufhin direkt mal für den Kidnapper persönlich und statten der Trattoria einen Besuch ab. Dort möchte uns Gabi ihre Sicht der Dinge schildern:

Gabi: „Also ihr könnt sagen, was ihr wollt, er sieht aus wie der typische Kidnapper.“

Lustigerweise nimmt sich hier TKKG aber mal ausnahmsweise selbst ein bisschen aufs Korn:

Tarzan (ironisch): „Ja, stechende Augen, pocken-narbige Haut, das haben die alle.“

Gabi tritt Tarzan daraufhin gegen das Schienbein (yeah).

In der Pizzeria können sie aber noch nicht feststellen, ob Mario Volker tatsächlich entführt hat, also beschließt Tarzan nachts in Marios Keller einzubrechen, um nach Volker zu suchen. TKKG haben nämlich festgestellt, dass sich italienische Restaurants optimal dazu eignen, um kleine Kinder darin zu verstecken.

Vor dem nächtlichen Einbruch gebietet Klößchen Tarzan vorsichtig zu sein.

Klößchen: „Hoffentlich erwischen dich die Italiener nicht.“

Tarzan: „Ich bin umsichtig wie ein Dschungelkämpfer.“

Klößchen: „Dann hat die Mafia nichts zu lachen.“

Dass die Besitzer der Pizzeria Mafiosos sind, ist also schon beschlossene Sache.

Nachdem Tarzan mit Karls Hilfe in der Trattoria einbricht und keinen Volker findet, stellt er fest, dass er womöglich auf der falschen Fährte ist und beschließt von nun an Raimundo zu verdächtigen.

Feindbild Nr.2: Esoteriker/“Spiritisten“: Den Punkt erwähne ich hier mal gesondert, da das auch noch häufiger bei TKKG auftaucht. Esos sind jetzt auch nicht gerade meine Lieblinge, aber ich frage mich, wieso das hier so häufig auftaucht? Ist Stefan Wolf voll der Christ und hat etwas gegen alle möglichen anderen Gruppen? Ist das Teil seines Linke-Hippie-Ressentiments? Auf jeden Fall wird jener Raimundo hier auf sehr alberne Weise dargestellt. Die Mutter Volkers hängt seit geraumer Zeit mit Raimundo ab, der vorgibt mit den Toten kommunizieren zu können. TKKG halten ihn natürlich sofort für verdächtig, einfach weil er ein schräger Vogel ist.

Tarzan: „Ein blinder Hellseher? Aha… (…) Dass er blind ist, tut mir  ja leid. Aber, dass er ein Schuft und Betrüger ist, glaube ich trotzdem.“

Wieder mal gibt es für die Vorverurteilung seitens Tarzans keine Gründe, es ist einfach so. Vor allem wird natürlich hier die Tatsache, dass Raimundo blind ist thematisiert und steht im vermeintlichen Widerspruch zu der Tatsache, dass Raimundo ein Betrüger ist. Das kann so nicht stehen gelassen werde…

Feindbild Nr.3: Menschen mit Fake-Behinderungen: Seltsames Feindbild, aber taucht tatsächlich auch noch mal in einer späteren Folge auf. Eine Behinderung wird hier missbräuchlich vorgetäuscht, um Aufmerksamkeit zu erhalten und als harmlos zu gelten, da wir ja bei TKKG lernen, dass Menschen mit Behinderungen nicht kriminell sein können. Somit sind bei TKKG Menschen mit Behinderung direkt schonmal verdächtig, weil sie ja höchstwahrscheinlich nur so tun als ob, TKKG haben nämlich eine Art Disability-Radar. Als Tarzan beschließt in Raimundos Wohnung einzubrechen, muss er dafür zunächst an diesem vorbei, der vor seinem Haus sitzt. Innerhalb von Sekunden merkt er aber, dass Raimundo ihn bemerkt hat und legt diesen daraufhin mit einem Judo-Wurf um. Irgendwie verläuft diese Szene recht schnell und es wird nicht ganz ersichtlich (no pun intended), woran Tarzan erkannt hat, dass Raimundo nur den Blinden spielt, er könnte ihn doch auch nur gehört haben. Jedoch werden wir darüber aufgeklärt, dass er als Hellseher immer „Hartschalen“ (hießen Kontaktlinsen in den 80er Jahren so?) trüge und seine Augen ungewöhnlich klar aussähen für einen Blinden.

Tarzan: „Ich werde Frau Krause sagen, dass sie den Blinden nur spielen, um sich interessant zu machen.“

Hier wird deutlich, was bei diesem Vorurteil mitschwingt. Es klingt so, als sei eine Behinderung ein Umstand, mit dem man sich „interessant“ machen kann und dass man dadurch vermeintlich bevorteilt behandelt werden würde. Irgendwie wird mir hierbei sehr unwohl. Es erinnert mich an Leute, die Storys verbreiten, die besagen, dass ganz viele BettlerInnen nur so täten als seien sie behindert und dass man ihnen lieber kein Geld geben solle. Dies stellt alle Menschen mit Behinderung unter Generalverdacht ihre Behinderung nur für eine Sonderbehandlung bewusst auszuspielen.

Feindbild Nr. 4: Mütter, die ihre „mütterliche Pflichten“ vernachlässigen: Dies klang auch bereits in der ersten Folge mit an, wo Klößchen und sein Vater daran leiden, dass die Mutter nicht mehr ordentlich Fleisch auf den Tisch bringt. In dieser Folge erfahren wir, dass Volker abhaut, weil seine Eltern keine Zeit mehr für ihn haben. An einer Stelle wird zwar auch erwähnt, dass der Vater zu sehr mit seinem Beruf beschäftigt sei, aber vor allem wird auf der Mutter rumgehackt. Diese habe nur noch Zeit für ihren Eso-Meister Raimundo und habe in einer spiritistischen Sitzung erfahren, dass sie in einem vorherigen Leben „Fürstin Edita“ war. Von Volker würde sie verlangen sie nicht mehr mit Mutter anzusprechen, sondern als eben jene Fürstin. Volker käme darauf nicht klar und sage weiterhin „Mutti“. Als Volker wieder zurückkehrt beruhigt ihn sein Vater, dass die Mutter sich „ausgespukt“ habe. Sie erfüllt also nun wieder ihre Mutterrolle, jedoch entschuldigt sich der Vater nicht für die Vernachlässigung seines Sohnes.

Feindbild  Nr.5: Jugendliche, die trinken oder rauchen: Das geht auf jeden Fall gar nicht bei TKKG. Ganz zu schweigen von denen, die Rauschgift zu sich nehmen. 🙂 Irgendwie ja auch nicht verwunderlich bei einer Kinder-/Jugendserie, jedoch bekommt man bei einigen immer wieder kehrenden Feindbildern das Gefühl, dass das nicht nur nicht ok ist, sondern jene wirklich der letzte Abschaum sind. Dass Volker in der Pizzeria Wein getrunken hat, kommentiert Kommissar Glockner natürlich direkt, dass das in dem Alter wirklich schlimm sei. Viel krasser ist jedoch die Begegnung zwischen Tarzan und Suzanne, dem französischen Au-Pair-Mädchen der Familie Krause. Tarzan trifft diese rauchend vor deren Haus an:

Tarzan: „Ein Mädchen, das schon wie ein Fabrikschlot qualmt, gehört der Hintern versohlt.“

Ich habe ja gesagt, es ist krass. Mädchen, die rauchen gehen natürlich erst recht nicht, dann lieber sexualisierte Gewalt. Suzanne macht daraufhin ihre Kippe aus, um Tarzan nicht zu stören. Wieder mal ordentlich dein Revier markiert, Tarzan! Aber natürlich muss er noch weiter den Macker raushängen lassen…

Feindbild Nr.6: Menschen, die nicht akzentfrei Deutsch sprechen: Suzanne redet mit einem deutlich hörbaren französischen Akzent, jedoch versteht man sie ohne Probleme. Völlig dreist äfft Tarzan diesen nach. Suzanne entschuldigt sich:

Suzanne: „Ich komm‘ doch aus Paris.“

Tarzan: „Deswegen musst du doch nicht so maßlos übertreiben mit deinem Akzent. Du kannst doch perfekt Deutsch sprechen.“

Aber echt mal, das machen die doch alle absichtlich, die wollen ja gar nicht richtig Deutsch lernen, schlimm sowas!

Wenigstens fühlt sie dann Tarzan auf den Zahn und fragt diesen nach seinen Französisch-Kenntnissen. Dieser meint nur, dass er nicht so gut sei und besser in Naturwissenschaften. Aber er darf das natürlich und verbessert Suzanne dann noch zweimal. Von einer 16-Jährigen Französin die mal eben kurz in Deutschland ist kann man ja auch echt mal mehr erwarten.

Klößchens Fat Shaming in dieser Folge: Dies ist zwar diesmal nicht zentrales Thema, jedoch kann wohl keine TKKG-Folge ohne auskommen. Wieder erfahren wir was Klößchen so isst. In der Pizzeria bestellen sich alle nur eine Cola, aber Klößchen natürlich eine Torte. Feste Nahrung, ekelhaft! Außerdem äußert Klößchen Bedenken, dass es ihm ja auch passieren könne entführt zu werden, aber Tarzan zan ihm, dass die Entführer ihn niemal satt bekämen.

Bei der letzten Aktion, wo Tarzan und Karl in einen Bunker nach Volker suchen wollen fragt Klößchen, ob er auch in diesen reinpasse.

Tarzan: „Gerade noch. Voraus gesetzt du futterst nicht ein paar Tafeln Schokolade vorher.“

Durch Schokolade gewinnt man nämlich in Minuten-Schnelle an Körperumfang. Und eine Gelegenheit seinen dicken Freund zu dissen und ihm ein schlechtes Gewissen zu bereiten sollte man natürlich auch nicht.

Sexismus gegenüber Gabi: Hält sich in dieser Folge ziemlich in Grenzen, aber einfach, weil Gabi nirgends dabei ist/sein darf. Das ist fast noch schlimmer, da es schon gar nicht mehr zur Debatte steht, ob Gabi noch nachts das Haus verlassen darf oder nicht.

Alles in allem finde ich hier neben Rassismus, Ableism, Fat Shaming und Sexismus besonders schlimm, dass es gar keine „Moral von der Geschicht“ gibt. Kein reumütiges Einsehen, dass alll die vorschnellen Verurteilungen ungerechtfertigt waren und auch keine Entschuldigung für das unrechtmäßige Einbrechen in die Häuser unschuldiger Menschen oder sogar das gewaltvolle Angreifen. Der Zweck heiligt bei TKKG wie immer alle Mittel.

Zum Schluss noch:

Coolster Spruch der Folge: Tarzan möchte des Glücks wegen auf Holz klopfen und klopft, wie lustig, auf Klößchens Kopf.

Karl: „Deutsche Eiche ist manchmal auch hohl.“

Amen.

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7 Antworten to “TKKG: 2. Der blinde Hellseher”

  1. grrt 4. Februar 2013 um 12:19 #

    „Ich glaube, die Leser können sich sehr gut mit meinen Charakteren identifizieren, weil sie trotz aller Stärken eben auch nicht perfekt sind, sondern – wie Klößchen mit seiner Naschsucht – auch Schwächen zeigen.“ Juhu, endlich hab ich die passende Identifikationsfigur!

  2. Melanie 4. Februar 2013 um 19:17 #

    Ja gegen Sexsmus sein aber Gewalt gegen Männer /Jungs wird hier wieder frenetisch gefeiert (yeah)

    Wie passt das zusammen?

    Liebe Grüße

    • veganitaet 4. Februar 2013 um 20:40 #

      naja, seinem Freund einen Tritt versetzen, wenn er einen aufzieht, find‘ ich jetzt nicht so schlimm. Mein „yeah“ war nun auch nicht so ernst gemeint, aber Tarzan ist einfach so übel, da missgönne ich es ihm nicht, wenn ihm Gabi mal ’nen Tritt verpasst.

  3. blub 4. Juli 2013 um 09:12 #

    warum geht es nicht weiter?

    • veganitaet 4. Juli 2013 um 19:20 #

      sorry, leider gerade ganz viel los, viel zu tun und faul. aber vielleicht kann ich mich mal wieder aufraffen.

      • blub 5. Juli 2013 um 01:44 #

        die ersten beiden sprechen mir jedenfalls aus der seele….

  4. merav 30. September 2015 um 12:23 #

    Sehr schön!
    Nur eine Sache für die Zukunft: ‚Sonderbehandlung‘ sollte man nicht, nein nie verwenden.
    Weshalb?
    Deshalb.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sonderbehandlung

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