TKKG: 1. Die Jagd nach den Millionendieben

1 Feb

Ein Feindbild.

So, dann leg ich mal los, was die allererste TKKG-Folge so zu bieten hat. Vorneweg muss ich natürlich sagen, dass diese schon ein paar Jährchen alt ist, genau genommen stammt die Folge von 1981. Nichtsdestotrotz wird dieses Hörspiel unverändert auch heute noch aufgelegt. Lediglich bei dem zugrunde liegenden Buch von 1979 wurden wohl die Schallplatten umbenannt, TKKG haben Handys und Laptops und Klößchen hört Lady Gaga, lol (you’re born this way, Klößchen! 😉 ).

In der Folge werden TKKG vorgestellt und sie, bzw. Tarzan, lösen ihren ersten Fall: die Jagd auf Diebe von teuren Gemälden.

Es gilt insbesondere im Folgenden Fat Shaming/Ableism-Trigger-Wahrnung.

Klößchens Fat Shaming in dieser Folge: Direkt in der ersten Folge, in der wir Tarzan und Klößchen, die gemeinsam im Internat wohnen, vorgestellt bekommen, passiert es: Klößchen isst, oh Schreck, nach dem Zähneputzen noch ein Stück Schokolade. Dieses Verhalten kann Tarzan natürlich so nicht stehen lassen und weist Klößchen zurecht:

Tarzan: „So wirst du nie dünner. Ich wette du hast nicht Blut, sondern Kakao in den Adern.“

Nicht dass, Klößchen ihn irgendwie um Ratschläge gebeten hätte. Direkt klar, wenn Klößchen dick ist, muss er das Ziel haben dünner zu werden. Es kommt aber noch dicker (no pun intended): Tarzan will sich nachts aus dem Internatszimmer abseilen, um sich mit seiner Freundin Gabi und Computer-Karl auf dem Schützenfest (sic!)zu treffen. Ohne das irgendwie in Frage zu stellen, wird der/dem HörerIn verdeutlicht, dass Klößchen aufgrund seiner Figur bei dieser Aktion keinesfalls mitmachen kann:

Tarzan: „Himmel, was dir so entgeht, Klößchen. Und das nur weil du futterst und futterst und futterst. (lacht) Schokolade ist doch nicht alles, Mann!“

Für Tarzan steht es außer Frage, was der Grund für Klößchens anscheinend „selbstverschuldete“ Lage ist. Klößchen ist schlichtweg ein dicker stereotyper Vielfraß, der sich durch seine Maßlosigkeit die Teilhabe an jugendlichen Aktivitäten verbaut und nichts an seiner Lage ändert/ändern will. Klößchen antwortet lediglich, dass dies bloß nicht sein Vater, der Schokoladenfabrikant Sauerlich, hören solle, sagt später aber dann kleinlaut:

Klößchen: „Oh Mann, wär‘ ich gern dabei.“

Direkt im Anschluss wird beschrieben wie der „durchtrainierte Läufer“ mit dem exotisierenden und mackerhaften Namen Tarzan total agil durch die Stadt rennt. Hier wird TKKG auch ganz schön ableistisch. Ganz nach dem Motto: wenn du körperlich nicht fähig bist, dich ein paar Stockwerke abzuseilen, um dich mit deinen Freunden zu treffen, hast du halt Pech gehabt und kannst dir mal überlegen, ob du nicht mal was gegen deine Lage tun kannst. Nicht, dass deine Freunde vielleicht Rücksicht auf dich nehmen würden…

Klößchens Essverhalten wird außerdem ständig, insbesondere mit genauen Mengenangaben, thematisiert. Meist sind das ziemlich absurd hohe Mengen an Schokoladentafeln. In dieser Folge sind TKKG in einer Eisdiele und alle bestellen sich 4 Kugeln Eis, nur Klößchen bestellt sich 8. Klar, Klößchen ist dick, deswegen bestellt er sich 8 Kugeln Eis. Hört Ihr? 8 Kugeln! Das machen nämlich dicke Menschen so.

Sexismus gegenüber Gabi: Gabi wird direkt mal geil vorgestellt: sie ist „etwas jünger als er (Tarzan, wird aber noch dieses Jahr 13″. Alles klar, also schon noch schön jung, aber doch mit nahender Geschlechtsreife… Sorry, aber das klingt immer so, als ob der Autor in der Beschreibung Gabis seine sexuellen Vorstellungen beschreibt. Es geht weiter mit: sie hatte langes Blondhaar (ja, Blondhaar!) und tiefblaue Augen mit dunklen Wimpern.“ Und welche Augenfarbe hat Karl? Und was ist mit Klößchens Haaren? Für Wolfs Faible für klischeehafte Beschreibungen kann man hier lesen.

Nachdem Tarzan Gabi und Karl von dem Diebstahl erzählt, dessen Zeuge er zufällig auf dem Weg zu ihnen wurde, und nochmal rumprahlt „fast wär‘ ich gestorben“ (äh, nicht), äußert Gabi ihre Bedenken, dass sie es zu gefährlich finde, den Dieben auf eigene Faust auf die Spur kommen zu wollen. Tarzan kann aber alle Sorgen aus dem Weg räumen:

Tarzan: „Du darfst nur mit, wenn es nicht gefährlich wird.“

Ja, Tarzan, in Ordnung, dann ist ja alles gut….

Tarzan: “ Schließlich bist du ein Mädchen.“

Bähm. Man könnte ja meinen, dass wenn ein Partner so etwas zu seiner Freundin sagt, sie wenigstens sowas sagt wie „Ey, du Arschloch!“ oder „Was geht ab?“ oder „Hö!?“ oder „Du bist ja so ein Scherzkeks heute!“Aber es kommt nichts, einfach gar nichts. Gruselig.
Computer-Karl, das Superbrain, versichert auch noch, dass nichts schief gehen kann, wenn man wie er voll logisch vorgeht. Dann wären hier schonmal alle Stereotype geklärt. Das schützenswerte Blondhaar, der durchtrainierte Body Tarzan, Superbrain Karl und,  ach ja, der Trottel, der von all dem nix mitbekommt und wahrscheinlich gerade schon wieder Schokolade frisst.

Das einzige, was Gabi noch beizutragen hat, sind Bedenken ihrem Vater, dem großen Hauptkommissar Glockner, gegenüber. Das ist glaub ich auch so eine Wunschvorstellung Wolfs: das brave Blondhaar, das ihren „Papi“ anbetet. Kommt bestimmt in späteren Folgen nochmal etwas deutlicher rüber. Auch Tarzans Verhältnis zu seiner Mutter (sein Vater ist verstorben) ist stets sehr bilderbuchhaft. Die Belohnung für den gelösten Fall lässt Tarzan natürlich seiner Mutter zukommen. So macht man das, liebe Kinder.

sonstiger Sexismus: später in der Folge wird der Chauffeur der Familie Sauerlich überfallen und Frau Sauerlich fällt natürlich fast in Ohnmacht. Außerdem geht es auch noch um die Rolle Frau Sauerlichs (Klößchens Mutter) als Köchin der Familie und darum wie sie so unverschämt sein und eine Diät machen kann, aber ihren beiden Männern im Haus keine Schweinshaxe vorsetzt. Es stellt sich heraus, dass dies schon seit einigen Jahren der Fall ist und Vater und Sohn mit den anderen HaushälterInnen (sie kochen natürlich nicht selbst) eine geheime Abmachung haben und hinter dem Rücken der Mutter massig Schweinshaxen gegessen werden. Siehe nächster Punkt: Feindbilder.

Klößchen: „Sie hat’s nunmal mit der Diät und denkt, dass wir alle so leben wollen wie sie. Gott sei Dank hat die Köchin ein Einsehen.“

Das war echt ein bisschen zu viel Emanzipation, Frau Sauerlich!

Feindbild Nr.1: VegetarierInnen:

Der Autor scheint mächtig was gegen VegetarierInnen zu haben, anders lässt sich die recht lange Szene nicht erklären, in der der später entlarvte Täter Dr. Pauling, Kunstlehrer von TKKG, bei den Sauerlichs zum Essen eingeladen ist. Message hier: von diesem vegetarischen Fraß (hier ganz klar: Brennnesselsuppe) wird man nicht satt und es schmeckt nicht. Sagt der Erzähler ziemlich genau so. Gabi ist zwar auch beim geheimen Schweinshaxen-Essen am Start, aber man bekommt auch das Gefühl, dass ein Mann nicht ohne Fleisch leben kann. Es sei denn, er ist….

Feindbild Nr.2: Künstler

Der Mittäter Dr.Pauling ist Kunstlehrer und wie TKKG sagen ist er der einzige Lehrer, der nicht in Ordnung ist. Kein Wunder, diese Künstler. Das ganze ist verwoben mit…

Feindbild Nr.3: marginalisierte/nicht geschlechtskonforme Männer:

Dr. Pauling ist Künstler und daher natürlich „kein richtiger Mann“. Er ist klein, hat einen Rauschebart uns sehe laut Karl ganz schön finster und gar nicht so aus als sei er ein Genie. Darauf

Tarzan: „Der Eindruck verfliegt, wenn du ihn reden hörst. Er hat einen glockenhellen Sopran. Wenn er sich den Bart abrasieren würde, könnt er glatt bei den Wiener Sängerknaben mitmachen.“

Das ist natürlich nicht irgendwie als Kompliment gemeint. Karl fügt noch hinzu: „aber nur in der hintersten Reihe“. Wir haben hier also einen Mann, der sein bisschen zugeschriebene Männlichkeit in den Augen TKKGs nur durch seinen Rauschebart aufrecht erhalten kann. Darunter ist er ein kleiner Mann mit, Zitat, „Fistelstimme“, der gerne vegetarisch isst und außerdem kann man dieses ganze Kunstzeugs ja auch nicht ernst nehmen. Die Stimme von Dr. Pauling wird auch sehr übertrieben lächerlich dargestellt und klingt eher nach einer Cartoon-Maus.

Feindbild Nr.4: Menschen mit „äußerlichen Makeln“: Andere Mittäter erkennt man natürlich praktischerweise auch immer direkt am Aussehen. So wird einer lediglich als „Knubbelnase“ (Kriminelle erkennt amn ja bekanntermaßen an ihren Nasen…) bezeichnet und es wird sich, für ein Kinderhörspiel doch auch sehr drastisch über sein Aussehen lustig gemacht

Puh. TKKG, das war harter Tobak. Wer hätte gedacht, dass soviel Shit alleine in einer einzigen Folge steckt!? Und hier waren ja bemerkenswerterweise mal keine PoC Täter. Ich rechne mit dem Schlimmsten.

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